Unser Fuchs für Deutschland! Dr. Michael Fuchs
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28. Juni 2009

Carsten Michels, Mittendrin statt nur dabei

Wäre der Boden nicht mit Teppich bedeckt, könnte man wohl eine Stecknadel fallen hören, als sich der Zeuge den Fragen der Abgeordneten stellt. Gespannt warten alle auf die Vernehmung. Wird es neue Erkenntnisse über die Vergabepraxis von Visa geben, oder handelt es sich primär um eine politisch motivierte Veranstaltung, deren Sinn für Außenstehende nur schwer ergründbar ist?

Mittendrin statt nur dabei

Sieben Wochen Praktikum im Berliner Büro von Michael Fuchs MdB

Wir sind im sogenannten Europasaal, dem größten Sitzungssaal im Paul-Löbe-Haus. Der Visa-Untersuchungsausschuss tagt zum ersten Mal. Vor der Tür stehen sich die Journalisten samt Anhang die Füße in den Bauch � Kameramänner, Tontechniker vertreiben sich die Zeit mit Späßen oder Mutmaßungen über die Zukunft des deutschen Außenministers. Ist das der Anfang vom Ende der Amtszeit Fischers? Auf der Gästetribüne hat sich mittlerweile eine Reihe von Praktikanten eingefunden. Mehr oder weniger �overdressed� verfolgt man das Verhör oder blättert in seinen Unterlagen. �Bei wem machst Du denn Dein Praktikum? Aha, und wer ist das? Ach so; nene, Politikwissenschaft � aber liegt ja auch irgendwie nahe�

Im Büro sind mittlerweile Gäste eingetroffen. Leute aus der Wirtschaft. Man will sich austauschen und Erfahrungen sammeln. Herr Dr. Fuchs kommt ein wenig später, lässt aber schon einmal schöne Grüße ausrichten. Nach dem Mittagessen gilt es, die Unterlagen für diverse Veranstaltungen zusammenzutragen. Die Liste der zu behandelnden Themen ist lang. Schwierig, hier den Überblick zu behalten. Herr Dr. Fuchs ist als Berichterstatter für drei Tagesordnungspunkte angemeldet. Also wird eine kleine Redevorlage präpariert. Worum geht es? Wie ist die Position der beteiligten Arbeitsgruppen der CDU/CSU-Fraktion? Empfehlen wir die Zustimmung, Ablehnung oder vielleicht Enthaltung? Alles sollte möglichst "fraktionskonform" sein. Wer weiß, wo so manch spitzfindiger Journalist wieder einen Streit in der Partei erkennen will.

Ein Anruf kommt rein. Herr Dr. Fuchs soll sich zum Bürokratieabbau der Bundesregierung äußern. Es sind einfache und klare, vielleicht auch etwas undifferenzierte Botschaften, die der Zeitungsmacher auch in München zu hören bekommt. Die Maßnahmen der Bundesregierung gingen nicht weit genug. Mehr Schein als Sein. Eine wirkliche Verbesserung der Situation für deutsche Unternehmer sei nicht festzustellen. Vielmehr würden ohnehin kaum mehr angewendete Verordnungen gestrichen. So lässt sich am besten sicherstellen, dass es zu keinen Missverständnissen kommt. Später werden die gesammelten Zitate noch einmal mit dem Büro abgeglichen man weiß ja nie. Der Teufel steckt ja nicht selten im Detail.

Am Ende der Sitzungswochen, gestalten die Mitarbeiter von Herrn Dr. Fuchs den "Brief aus Berlin". Auf acht Seiten wird Wissenswertes aus der Bundeshauptstadt komprimiert in den Wahlkreis verschickt. Welches waren die herausragenden politischen Themen der Woche? Was tut die Bundesregierung, um die gravierenden Probleme in unserem Land zu beheben? Fakten und Zahlen, am Ende noch etwas für den Humor, und die CDU-Wähler sind wieder auf dem neuesten Stand gebracht.

Einige von ihnen kommen Herrn Dr. Fuchs auch in Berlin besuchen und informieren sich über seine Arbeit in einem persönlichen Gespräch. Es sind zumeist die gleichen Stellen, wo der Schuh drückt. Die hohe Arbeitslosigkeit und der Umbau der sozialen Sicherungssysteme verunsichern viele Bürgerinnen und Bürger. Der als so sicher geglaubte Arbeitsplatz steht plötzlich auf dem Spiel, und die Lehrstelle der Tochter ist auch nicht mehr als ein Kompromiss. �Wäre es unter einer CDU-geführten Bundesregierung besser?� Eine Vorlage für den Wirtschaftsfachmann Fuchs, der die wirtschaftpolitischen Vorstellungen seiner Partei mit den zu erwartenden Wirkungen aufzählt. Kopfnicken im Publikum, aber wirkliche Überzeugung sieht anders aus. Am Ende steht noch ein Rundgang durch das Reichstagsgebäude an, mit anschließender Stärkung im Besucherrestaurant. Ein positiver Eindruck aus Berlin, der sich hoffentlich im Wahlkreis herumspricht.

Denn wer wiedergewählt werden möchte, der muss sich auch um seine Klientel kümmern. Empfänge, Geburtstage, Jubiläen oder die besonders beliebten Grillabende reduzieren die ohnehin knappe Freizeit auf ein Minimum � ein Kernproblem der Mehrheit aller Abgeordneten. Zwangsläufig müssen Prioritäten gesetzt werden, zwangsläufig werden Termine abgesagt, die wir als Außenstehende für so wichtig erachten. Nicht zu verhindern ist folglich auch, dass bei fachspezifischen Plenardebatten nur ein Bruchteil der Abgeordneten anwesend ist. Eben jene, die zu dem entsprechenden Thema arbeiten. Der Kameraschwenk durch den spärlich besetzten Plenarsaal wirkt somit auf den ersten Blick verschreckend, erklärt sich aber aus den logischen Arbeitsabläufen im deutschen Bundestag.

Was nach sieben Wochen Praktikum bleibt, lässt sich schwerlich auf einen Nenner bringen. Fest steht, dass man erst durch einen kurzen Einblick in die Geschehnisse rund um das alte Reichstagsgebäude viele Dinge zu verstehen beginnt, die einem von außen betrachtet absolut widersinnig und unlogisch vorkommen.


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