


Im Rahmen meines European Studies Studiums in Den Haag, Niederlande, muss ein 5-monatiges Praktikum in einer politischen Organisation/Institution absolviert werden. Dabei soll das theoretische Wissen in die Praxis umgesetzt und so das Verständnis für politische Prozesse vertieft werden. Das Studium ist sehr international ausgerichtet, mit Studierenden aus der ganzen Welt, denen nicht nur theoretische Kenntnisse, sondern auch eine Sensibilität für politische, wirtschaftliche oder soziale Abläufe vermittelt wird. Insgesamt richtet sich der Fokus dabei hauptsächlich auf die außenpolititische Sphäre, Europa und internationale Beziehungen. Dafür interessiere ich mich schon seit Jahren sehr, was nicht zuletzt auch an meinem persönlichen bosnischen Hintergrund liegt.
Wer sich für die Außenpolitik interessiert, sollte unbedingt wissen, wie ein Land von innen heraus funktioniert und wie es durch Verordnungen und Gesetze gestützt wird. Eine gut funktionierende Innenpolitik sowie Wirtschaft sind dabei die wichtigste Grundlage für das souveräne Auftreten eines Landes auf der internationalen Bühne.
Soweit die Theorie. Die Praxis wurde mir in den zurückliegenden 5 Monaten im Berliner Bundestagsbüro von Herrn Dr. Fuchs näher gebracht. Ich konnte die Welt der Innenpolitik erforschen und in diesem Zusammenhang viele neue Eindrücke gewinnen. Dieses Praktikum bot mir die bestmögliche Gelegenheit in das innenpolitische Leben hineinzuschnuppern und die Entstehung von Gesetzen mitzuerleben. Das war sehr interessant und spannend, da mir die Endprodukte sonst nur aus dem Fernsehen bekannt waren. Schnell konnte ich feststellen, die Politikgestaltung ist eine Mammutaufgabe und zudem noch eine sehr Bluthochdruck fördernde. Aber ich fange noch einmal von vorne an. Ende Januar 2007 trat ich das Praktikum an. Ich hatte das Glück in einer Sitzungswoche anzufangen, d.h. durchgehend Stress pur. In den Sitzungswochen nehmen die Abgeordneten ihre Termine in Berlin wahr. Dabei nehmen sie an unterschiedlichen Sitzungen und Ausschüssen teil, erarbeiten diese in kleineren Arbeitsgruppen, führen Gespräche mit Sachverständigen und Journalisten, bereiten sich auf Reden im Plenum vor oder nehmen sich Zeit für Besuchergruppen aus dem Wahlkreis. Jeder Tag ist sehr straff organisiert, so dass 15 Minuten in einem vollen Terminkalender eine ganz andere Bedeutung bekommen. Herr Fuchs muss sehr viele Termine an solch einem Tag wahrnehmen, dabei die Konzentration durchgehend halten und sich konstruktiv an Arbeitsprozessen beteiligen. Dieses Pensum an Arbeit wäre ohne die Hilfe der beiden Mitarbeiterinnen im Büro, Christine Stüben bzw. Sabine Stoye und Ulla Steger nicht möglich, die für die Organisation und inhaltliche Unterstützung verantwortlich sind.
Zu Beginn des Praktikums hatten mich Christine und Ulla sehr nett und offen im Büro empfangen und mich über die Abläufe aufgeklärt. Obwohl sie sich Mühe gaben mir den Start so angenehm wie möglich zu machen, konnte ich meine sehr große Nervosität nicht so schnell ablegen. Ganz verschüchtert versuchte ich den Vorgängen zu folgen, von denen ich mich sichtlich überrollt fühlte. Christines mehrstündige ‚kleine‘ Einführung war dann ganz schnell vergessen sowie die Flut an Informationen, die sie mir zu vermitteln versucht hatte. Sofort erhielt ich unterschiedliche Aufgaben und wurde von Anfang an in die Arbeit im Büro eingebunden. Das Bundestagsintranet, das für Recherchearbeiten sehr wichtig ist, stellte anfangs ein großes verwirrendes Labyrinth für mich dar. Es beinhaltet Informationen und Hilfestellungen für die wissenschaftlichen Mitarbeiter und ist im Grunde viel übersichtlicher als ich es zuerst annahm. Doch bei meiner anfänglichen Nervosität konnte sich sogar ein kleines Druckerproblem zu einer großen Herausforderung entwickeln.
Zu meinen Aufgaben gehörte u. a. das Anfertigen von Vermerken (die so etwas wie eine Zusammenfassung von Anträgen der Fraktionen oder Unterrichtungen der Bundesregierung sind), das Beantworten der Wählerpost, das Recherchieren von Material für Reden, Interviews oder Fernsehsendungen oder das Arbeiten an der Internetseite. Die Aufgabenpalette war breit gefächert und es machte großen Spaß sich so am Bundestagsleben zu beteiligen. Dabei erhielt ich nicht nur Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsabläufe, sondern konnte gleichzeitig mein Fachwissen erweitern. Plötzlich bekamen Gesetze und Verordnungen eine ganz andere Bedeutung für mich, denn ich konnte ihren Entstehungsprozess zum einen in der CDU/CSU internen Arbeitsgruppe Wirtschaft oder zum anderen in dem parteiübergreifenden Wirtschafts- und Technologieausschuss mitverfolgen, dem Herr Fuchs als Mittelstandspolitiker angehört. In jeder Sitzungswoche bekam ich die Möglichkeit, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen und hinter die Kulissen zu schauen. Das war sehr beeindruckend und interessant.
Im Rahmen des Praktikantenprogramms der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nahm ich an einer Führung durch das Bundeskanzleramt, das Reichstags- und Bundesratsgebäude teil sowie an mehreren Diskussionsrunden mit u. a. Herrn Bundesinnenminister Dr. Schäuble. Des Weiteren schaute ich mir regelmäßig die Debatten im Plenum an oder begleitete Herrn Fuchs zu Aufzeichnungen von Fernsehsendungen, wie z.B. der PHOENIX-Runde. Das war natürlich hoch spannend, denn ich bekam nicht nur mit, wie so etwas abläuft sondern begegnete auch anderen Politikern.
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