


Zum Bundestag kann man praktischerweise über die Station Friedrichstraße oder auch über den neuen Hauptbahnhof gelangen. Ich wählte letzteren Weg als Strecke zu meinem ersten Arbeitstag. Es erstreckt sich vor einem (ganz abgesehen vom Bahnhof selbst) das Bundeskanzleramt, das Paul-Löbe-Haus (Arbeitsplatz vieler Abgeordneter, auch von Dr. Michael Fuchs) und der Reichstag für den Fußgänger unglaublich ominöse Gebäude - auf freiem Feld.
Herumstehende Menschen wirken im Vergleich winzig, werden jedoch tatsächlich auch größer, wenn man auf sie zuläuft...
Ich kam also schließlich im Büro an...
... und wurde von den netten Mitarbeitern Christine und Ulla mit allem bekannt gemacht. Schon nach den ersten Tagen, als ich mich mit den Gebäuden und Abläufen vertraut gemacht hatte, war mein erster Eindruck: Im Bundestag kocht man ja auch nur mit Wasser!
Das heißt aber nicht, dass sich für mich Vorurteile, von denen es zahlreiche gibt – zum Beispiel die Abgeordneten seien faul, würden lediglich von ihren Privilegien profitieren oder sich noch nicht einmal mit der Materie auskennen und fachsimpeln - bestätigten. Ganz im Gegenteil: Das deutsche Parlament ist eines der fleißigsten in ganz Europa.
Durch die vielfältige Arbeit – es konnte nicht vom klischeehaften Kopieren und Kaffeekochen die Rede sein – wurde ich natürlich auch mit viel Fachwissen aus dem Bereich der Politik vertraut. Wer aber nun denken sollte, ich sei dem „Fachsimpeln“ verfallen und nicht mehr dazu in der Lage, diesen Bericht in „lesbarer“ Form abzufassen, sollte unbedingt weiterlesen. Auch die, die mit Fachwissen glänzen wollen, sollten das tun.
Sicherlich wäre ohne fremdwortartige Begriffe, die mit Laienwissen nicht direkt zu erklären sind, vieles in Form einer Debatte nicht sachlich zu erörtern, was diese unentbehrlich macht. „Ist denn dann noch das Transparenzgebot gewährleistet, dass es dem Bürger ermöglicht, jedes besprochene Thema leicht nachzuvollziehen?“, fragte ich mich häufig. Hier sei angemerkt, dass es eine kleine Hilfe gibt, die ich häufig genutzt habe: Erstmal informieren:
Das Internetangebot des Bundestages: www.bundestag.de enthält viele praktische Informationsquellen. Für viele fängt hier die Suche bei Plenarprotokollen an www.bundestag.de/bic/plenarprotokolle/plenarprotokolle/index.html. Dank der im Bundestag sitzenden Stenographen, die wirklich jeden einzelnen Bundestagsabgeordneten mit Gesicht kennen, enthalten die Plenumsprotokolle bis ins kleinste Detail - sogar mit Namen versehen - Zwischenrufe aus dem Publikum, die man im Fernsehen niemals einordnen könnte.
Wenn es dann um die von dem ein oder anderen ersehnte Erklärung von Fachbegriffen aus dem Bereich der Politik geht, eignet das Glossar hervorragend: www.bundestag.de/wissen/glossar.html. Sollte es noch Unklarheiten geben, lassen sich Fragen zur Recherche auf www.bundestag.de/interakt/faq/kat3Dokumente.html. Soviel zu dem Thema Transparenz.
Nun möchte ich endlich von meiner Arbeit im Bundestagsbüro von Dr. Michael Fuchs berichten: Obwohl wir mit drei Praktikanten in den Räumen des Bundestagsbüros die Überzahl an Mitarbeitern darstellten und uns so gegenseitig entlasten konnten, durften wir während unserer Zeit in Berlin sehr viele interessante Aufgaben erledigen: Das Themenspektrum erstreckte sich von der Miterarbeitung von Antworten zu Briefen aus dem Wahlkreis und der Interpretation von Gesetzen sowie dem Vergleich alter und neuer Gesetzesfassungen über das Erstellen von Zusammenfassungen aktueller Geschehnisse aus der Politik und Aktenvermerken zu den Ausschüssen bis hin zum dem Gestalten der Internetseite www.cdu-fuchs.de.
Gemein hatten diese Aufgaben alle eines: Recherchieren. Man verbrachte also den Großteil seiner „Bürozeit“ mit dem Suchen und Zusammenklauben von Informationen und deren anschließender Auswertung.
Da Dr. Michael Fuchs Vorsitzender der soziologischen Gruppe Parlamentskreis Mittelstand (PKM) und auch Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie ist, waren vor allem Wirtschaftsthemen an der Tagesordnung. Außerhalb des Büros erhielt ich so Einblicke in den Ausschuss bzw. die Arbeitsgemeinschaft „Wirtschaft“ und durfte auch an Sitzungen von Unterausschüssen teilnehmen.
Das Thema meiner Arbeit war also immer das politische Geschehen. Die Arbeit durfte jederzeit für weiteres politisch relevantes Programm unterbrochen werden. So nahm ich teil an Reichstagsführungen, Plenumssitzungen, Kanzleramtsbesichtigungen, einer Führung durch Schloss Bellevue und die Britische Botschaft, wurde mit der Medienwelt durch einen Besuch beim ZDF vertraut gemacht, partizipierte an Gesprächen für Praktikanten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – mit politischen Größen wie zum Beispiel Schäuble MdB und durfte als Höhepunkt eine Fraktionssitzung, an der auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel teilnahm, miterleben.
Die zähe Masse von scheinbar undurchsichtigen Abläufen innerhalb und außerhalb des Bundestages war so für mich allmählich zu durchschauen – besonders durch die vielen Gespräche mit Politikern über deren Zuständigkeitsbereiche und die Arbeit im Büro wurde mir der Alltag in der Sitzungswoche eines Abgeordneten bewusst. Man konnte sich also ein Bild machen, wie es „hinter den Kulissen“ abläuft. Schockierend war für mich der fast lückenlos mit Sitzungen und Gesprächen gefüllte Zeitplan eines Bundestagsabgeordneten während einer Sitzungswoche, der an manchen Tagen von sieben Uhr morgens bis Mitternacht reichte.
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